Seit Frederike und Gabi beste Freundinnen geworden waren, fühlte sich die Schule ganz anders an. Früher hatte Frederike sich oft klein und unsichtbar gefühlt. In den Pausen stand sie häufig allein am Rand des Schulhofs und wusste nicht so recht, wohin mit sich. Doch jetzt war da Gabi.
Jeden Morgen winkte Gabi ihr schon von weitem zu. Sie saßen nebeneinander im Klassenraum, teilten sich ihre Buntstifte und flüsterten sich manchmal lustige kleine Bemerkungen zu, wenn Frau Hoffmann gerade etwas an die Tafel schrieb. Dann mussten beide kichern und hielten sich schnell die Hände vor den Mund.
Auch die anderen Kinder hatten sich verändert. Sie merkten langsam, dass Frederike zwar ruhig war, aber auch freundlich, hilfsbereit und sehr klug. Wenn jemand bei einer Aufgabe nicht weiterwusste, erklärte Frederike geduldig den Rechenweg oder half beim Lesen schwieriger Wörter. Und manchmal überraschte sie die Klasse mit ihrem feinen Humor, über den alle lachen mussten.
An diesem Morgen schien die Sonne hell durch die Fenster des Klassenraums. Frau Hoffmann stellte ihre Kaffeetasse auf den Tisch und lächelte in die Runde.
„Kinder“, sagte sie fröhlich, „heute möchte ich etwas mehr über euch erfahren. Jeder erzählt uns, was er in seiner Freizeit am liebsten macht. Ich bin gespannt auf eure Hobbys!“
Sofort schoss Bennys Hand in die Höhe. „Ich! Ich zuerst!“ Frau Hoffmann nickte lachend. Benny sprang beinahe von seinem Stuhl auf. „Ich spiele Fußball!“, rief er stolz. „Ich bin Stürmer und habe letzte Woche drei Tore geschossen! Und Fahrrad fahre ich auch total gern. Fast jeden Tag bin ich draußen unterwegs!“ „Wow!“, sagte Jonas beeindruckt.
Ein paar Kinder klatschten begeistert, und Benny grinste breit.
Danach meldete sich Gabi. Sie strich sich eine Haarsträhne hinters Ohr und sagte: „Ich tanze Ballett. Schon seit ich drei Jahre alt bin.“
„Deshalb kannst du dich immer so elegant drehen!“, rief Mia.
Gabi lachte. „Vielleicht ein bisschen. Und ich liebe Gesellschaftsspiele. Am liebsten spiele ich mit meiner Familie oder mit Frederike.“
Frederike wurde warm ums Herz, als Gabi ihren Namen sagte. Sie lächelte vorsichtig. Doch dann spürte sie plötzlich ein Kribbeln im Bauch.
Jetzt bin ich dran, dachte sie nervös. Langsam stand sie auf.
„Also …“, begann sie leise. „Ich male gern. Und ich puzzle gern. Und ich lese viele Bücher.“ Kaum hatte sie den Satz beendet, rief Benny laut dazwischen: „Wie langweilig! Da sitzt du ja nur rum und machst gar nix!“
Ein paar Kinder kicherten. Frederike spürte sofort, wie ihr Gesicht heiß wurde. Ihr Hals fühlte sich eng an. Sie schaute auf ihre Hände und drehte nervös ihren Stift zwischen den Fingern.
Vielleicht stimmt das wirklich, dachte sie traurig. Vielleicht bin ich langweilig. Für einen Moment war es ganz still.
Dann hob plötzlich Sven die Hand. Sven war ein ruhiger Junge mit braunen Haaren und freundlichen Augen. Er sprach meistens nicht sehr laut, aber wenn er etwas sagte, hörten die anderen oft aufmerksam zu.
„Ich gehe gern angeln“, sagte er ruhig. Einige Kinder schauten überrascht.
„Angeln?“ fragte Benny. „Das ist doch erst recht langweilig!“ Doch Sven zuckte nur mit den Schultern. „Gar nicht“, sagte er gelassen. „Ich gehe oft mit meinem Papa an einen kleinen See. Dort ist es ganz still. Man hört nur das Wasser und die Vögel. Manchmal sitzen wir lange da und reden kaum. Aber genau das mag ich.“ Er lächelte leicht.
„Ich spiele zwar auch Fußball“, erklärte er weiter, „aber manchmal brauche ich Ruhe. Sonst wird mir alles zu laut im Kopf. Beim Angeln kann ich wieder neue Energie tanken.“
Frederike hob langsam den Kopf. Neue Energie tanken. Diese Worte fühlten sich an wie ein kleines Licht in ihr. Genau so war es bei ihr auch. Wenn sie malte oder puzzelte oder las, wurde alles in ihr ruhig. Dann fühlte sie sich sicher und glücklich. Vielleicht bin ich doch nicht komisch, dachte sie. Vielleicht brauchen manche Menschen einfach andere Dinge als Benny.
Frau Hoffmann nickte zufrieden. „Das hast du schön erklärt, Sven“, sagte sie. „Menschen mögen unterschiedliche Dinge. Und das ist gut so. Manche tanken Energie beim Toben und Sport. Andere beim Lesen, Malen oder in der Natur. Niemand muss dasselbe mögen.“ Gabi lächelte Frederike aufmunternd an. Und sogar einige Kinder, die vorher gekichert hatten, wirkten plötzlich nachdenklich.
In der Pause kam Mia zu Frederike. „Was malst du denn gern?“, fragte sie neugierig. Frederike blinzelte überrascht. „Tiere … und Landschaften“, antwortete sie leise. „Das klingt schön“, sagte Mia ehrlich. Zum ersten Mal an diesem Tag musste Frederike wieder lächeln.
Am Nachmittag saß sie zu Hause an ihrem kleinen Schreibtisch am Fenster. Draußen bewegte der Wind sanft die Blätter der Bäume. Frederike holte ihre Buntstifte hervor und begann zu malen. Sie zeichnete einen stillen See mit glitzerndem Wasser. Am Ufer saß Sven mit einer Angel in der Hand. Über dem Wasser schimmerte die Abendsonne golden, und kleine Libellen flogen durch die Luft.Während Frederike malte, spürte sie, wie die Wärme langsam in ihr Herz zurückkehrte. Jeder Strich machte sie ruhiger.
Da klopfte Tante Ulla vorsichtig an die Zimmertür. „Darf ich hereinkommen?“ Frederike nickte. Tante Ulla betrachtete das Bild und lächelte sanft. „Das sieht friedlich aus.“ Frederike erzählte ihr von der Schule und davon, was Benny gesagt hatte. Tante Ulla setzte sich neben sie. „Weißt du“, sagte sie leise, „manche Menschen verstehen erst später, dass Ruhe genauso wichtig sein kann wie Action. Wer viel fühlt und wahrnimmt, braucht manchmal stille Momente. Daran ist nichts falsch.“
Timmi, der gestreifte Kater, sprang schnurrend auf Frederikes Bett und rollte sich zusammen. Frederike streichelte ihn nachdenklich. Dann lächelte sie. „Ich bin eben so, wie ich bin“, sagte sie leise. „Genau“, antwortete Tante Ulla. „Und das ist etwas ganz Besonderes.“
Am nächsten Morgen freute Frederike sich plötzlich auf die Schule. Denn sie hatte beschlossen, Sven in der Pause zu fragen, wie Angeln eigentlich funktioniert. Und tief in ihrem Herzen hatte sie das Gefühl, dass Sven sie vielleicht besser verstand als viele andere. Vielleicht, dachte Frederike, war er ja auch ein bisschen sensibel – genau wie sie.
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Hallo, ich bin Sonja!
Ich bin Coach für hochsensible Menschen.
Ich begleite Menschen, die intensiver fühlen, feiner wahrnehmen und oft mehr verarbeiten als andere – und genau darin liegt eine besondere Stärke.
Ich bin der festen Überzeugung:
Jeder Mensch ist ein Unikat und hat das Recht, gesehen und wertgeschätzt zu werden.
Gerade hochsensible Menschen verlieren sich jedoch oft in den Erwartungen anderer, fühlen sich schnell überfordert oder „zu viel“.
Deshalb ist Selbstliebe für mich eine der wichtigsten Grundlagen für ein gesundes und erfülltes Leben.
Denn jeder Mensch kann lernen, sich selbst anzunehmen – mit allem, was ihn ausmacht.
Und ich glaube fest daran:
Wenn Hochsensibilität früh erkannt und liebevoll begleitet wird, kann sie sich zu einer echten Stärke entwickeln – für ein Leben voller Tiefe, Klarheit und innerer Balance.
