An einem warmen Nachmittag saß Frederike bei Tante Ulla im Garten.
Die Sonne schien golden durch die Blätter des alten Apfelbaums, die Blumen wiegten sich sanft im Wind, und Kater Timmi lag schnurrend auf der Gartenbank. Aus der Ferne summten Bienen, irgendwo zwitscherte eine Amsel, und der Duft von Lavendel hing in der Luft.
Eigentlich war alles schön. Und trotzdem war Frederike stiller als sonst. Sie saß auf der kleinen Holzbank neben dem Kräuterbeet und zog mit dem Finger Linien in die Erde. Immer wieder dachte sie an die Schule. An die lauten Kinder auf dem Pausenhof. An das Gefühl, irgendwie nicht richtig dazuzugehören.
„Tante Ulla?“, fragte sie schließlich leise. „Ja, mein Schatz?“, antwortete Tante Ulla und setzte sich neben sie. Ihr langer Rock raschelte im Gras, und ihre warmen Augen blickten Frederike aufmerksam an. Frederike zögerte. Dann sprudelten die Worte aus ihr heraus. „Warum meiden mich manche Kinder? Warum bin ich anders als sie? Ich bin nicht so laut. Ich brauche öfter Ruhe. Manchmal ist mir alles zu viel. Ist mit mir etwas nicht richtig?“
Tante Ulla nahm Frederikes Hand. Ihre Stimme war weich wie eine warme Decke. „Nein, Frederike. Mit dir ist alles richtig.“ Frederike schaute überrascht auf. „Aber … warum bin ich dann nicht so wie die anderen?“
Tante Ulla lächelte sanft. „Weißt du“, sagte sie, „Menschen sind wie Blumen. Manche sind bunt und groß und fallen sofort auf. Andere sind kleiner, leiser – aber sie duften ganz besonders.“
Frederike dachte nach und blickte zu den Blumenbeeten hinüber. Die großen Sonnenblumen standen stolz und hoch im Wind. Doch direkt daneben wuchsen kleine, zarte Vergissmeinnicht. Fast hätte man sie übersehen. Und trotzdem waren sie wunderschön. „Du hast ein ganz feines Herz“, erklärte Tante Ulla weiter. „Du spürst Dinge schneller als andere. Geräusche, Stimmungen, Gefühle. Du merkst sofort, wenn jemand traurig ist oder wenn etwas nicht stimmt.“ Frederike nickte langsam. „Deshalb beobachte ich so viel?“, fragte sie. „Und deshalb werde ich so schnell müde, wenn viele Kinder um mich herum sind?“ „Genau“, sagte Tante Ulla. „Dein Inneres arbeitet ganz fleißig. Es sammelt Eindrücke, Gefühle und Gedanken. Darum brauchst du öfter Pausen. Und darum magst du ruhige Dinge wie Malen, Lesen oder Puzzeln.“
Frederike schaute auf ihre Hände. „Aber manche Kinder finden das komisch.“ Tante Ulla nickte verständnisvoll. „Manche verstehen leise Menschen nicht sofort. Nicht, weil du falsch bist – sondern weil sie anders sind.“ Timmi hob kurz den Kopf, streckte sich und sprang dann elegant auf Frederikes Schoß. Sofort begann er laut zu schnurren. Frederike kraulte ihn hinter den Ohren und spürte, wie sie ein wenig ruhiger wurde. Eine Weile schwiegen beide.
Dann sagte Tante Ulla: „Weißt du noch, als Gabi letzte Woche traurig war?“ Frederike nickte. „Die anderen Kinder haben es gar nicht bemerkt“, sagte Tante Ulla. „Aber du hast sofort gesehen, dass etwas nicht stimmt.“ „Weil sie gar nicht gelächelt hat“, murmelte Frederike. „Und weil du genau hinschaust“, ergänzte Tante Ulla. „Das ist eine besondere Gabe.“
Frederike dachte an den Moment zurück. Gabi hatte in der Pause allein auf der Schaukel gesessen. Niemand war zu ihr gegangen. Also hatte Frederike sich still neben sie gesetzt. Erst später hatte Gabi erzählt, dass ihre Oma krank geworden war. „Du hast ihr damals sehr geholfen“, sagte Tante Ulla leise. Frederike wurde warm ums Herz. „Aber manchmal wünsche ich mir trotzdem, ich wäre mutiger“, gab sie zu. „So wie Markus. Der redet einfach mit allen.“
Tante Ulla lächelte. „Mut sieht nicht immer laut aus. Manche Menschen sind laut mutig. Und manche sind leise mutig.“ „Leise mutig?“ „Ja“, sagte Tante Ulla. „Zum Beispiel jemandem zuzuhören. Oder ehrlich zu seinen Gefühlen zu stehen. Oder freundlich zu bleiben, obwohl man sich unsicher fühlt.“
Frederike dachte darüber nach. Vielleicht war sie tatsächlich mutiger, als sie glaubte.
Der Wind bewegte die Baumkronen über ihnen, und ein paar Blütenblätter segelten langsam durch die Luft. Timmi rollte sich zufrieden auf Frederikes Schoß zusammen. Dann beugte Tante Ulla sich ein wenig zu ihr. „Aber weißt du, was etwas ganz Besonderes ist? Wenn jemand so fein fühlt wie du, dann liebt er auch ganz besonders tief. Und Freundschaften, die du schließt, sind echte Schätze.“
Frederike dachte an Gabi. Und an Sven. Und an die ruhigen Momente, die ihr so gut taten. Ein kleines Lächeln huschte über ihr Gesicht. „Also bin ich nicht kaputt?“, fragte sie vorsichtig. Tante Ulla lachte leise. „Nein, mein Herz. Du bist leise stark. Und die Welt braucht genau solche Menschen.“
Frederike sah in den Himmel hinauf. Die Wolken zogen langsam vorbei, und plötzlich fühlte sich ihr Herz leichter an. Zum ersten Mal dachte sie nicht mehr darüber nach, warum sie anders war. Denn vielleicht musste sie gar nicht so sein wie die anderen.
Vielleicht durfte sie einfach Frederike sein.
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Hallo, ich bin Sonja!
Ich bin Coach für hochsensible Menschen.
Ich begleite Menschen, die intensiver fühlen, feiner wahrnehmen und oft mehr verarbeiten als andere – und genau darin liegt eine besondere Stärke.
Ich bin der festen Überzeugung:
Jeder Mensch ist ein Unikat und hat das Recht, gesehen und wertgeschätzt zu werden.
Gerade hochsensible Menschen verlieren sich jedoch oft in den Erwartungen anderer, fühlen sich schnell überfordert oder „zu viel“.
Deshalb ist Selbstliebe für mich eine der wichtigsten Grundlagen für ein gesundes und erfülltes Leben.
Denn jeder Mensch kann lernen, sich selbst anzunehmen – mit allem, was ihn ausmacht.
Und ich glaube fest daran:
Wenn Hochsensibilität früh erkannt und liebevoll begleitet wird, kann sie sich zu einer echten Stärke entwickeln – für ein Leben voller Tiefe, Klarheit und innerer Balance.
